Fabian in Amritsar

Meine Erlebnisse in Indien

Amritsar

01.-02.11.03 Amritsar & Wagah Border (Indien-Pakistan)

Wir beschlossen, Anfang November einen Ausflug nach Amritsar zu machen, der "heimlichen" Hauptstadt des Punjab und der heiligsten Stadt der Sikhs. Nach der Teilung Kolonialindiens in Indien und Pakistan wurde auch der Punjab geteilt und die einstige Hauptstadt des Punjab (Lahore) liegt nun auf pakistanischem Territorium. Aus diesem Grund wurde eine neue Hauptstadt benötigt - Chandigarh wurde erbaut. Wegen Spannungen zwischen Hindus und Sikhs wurde der Punjab wiederum geteilt und Chandigarh ist die gleichzeitig die Hauptstadt von Haryana und dem "neuen" Punjab, obwohl es selbst zu keinem der Staaten gehört und direkt der Zentralregierung in Neu Delhi unterstellt ist. Amritsar ist neben Ludhiana die größte Stadt im Punjab und ist ein religiöser Ort und daher wohl die bedeutendste Stadt hier - mit knapp 1 Mio Einwohnern.

Dies war ein idealer und angenehmer Wochenend-Trip, denn von Chandigarh nach Amritsar sind es nur fünf Stunden mit dem Bus, die Busverbindungen sind gut und die Straße ist eben. Die Stadt ist im Gegensatz zu Chandigarh unorganisiert, staubig, dreckig und verworren. Das Bild oben zeigt den Blick vom Busbahnhof auf die Straßen. Da Ausländer hier trotz des Goldenen Tempels eher selten sind, wurden wir nicht wie im reichen Chandigarh von fünf bis zehn Schleppern umringt, nachdem wir als westliche Reisetruppe dem Bus entstiegen sind, sondern von einer Horde von etwa 25 Dienstleistern aller Art, die Rikshas, Hotels und Führungen zum Goldenen Tempel anboten und nicht abzuschütteln waren.

Wir hatten uns sagen lassen, dass die tägliche Wachablösung der Grenztruppen ein interessantes Schauspiel sein soll und haben dann tatsächlich ein Taxi angeheuert, dass uns dann zur Grenze fuhr. Amritsar ist ca. eine Stunde von der Grenze zu Pakistan entfernt und der dortige Grenzübergang ist der einzige geöffnete Landweg zwischen Indien und Pakistan. Alle anderen Verbindungen sind geschlossen, auch keine Eisenbahn verkehrt zwischen beiden Ländern. Die Spannungen zwischen beiden Ländern sind immer noch enorm und auch das Auswärtige Amt in Deutschland rät vom Aufenthalt in der Grenzregion ab. Allerdings war die ganze Atmosphäre recht friedlich und entspannt.

Wagah Border

Auf dem Bild ist das pakistanische Grenztor zu sehen und die Wachablösung beider Grenztruppen. Begleitet wurde die Zeremonie von Unmengen an Besuchern, besonders auf der indischen Seite. Musik wurde gespielt - Hindustan-Rufe ertönten ("Hindustan" und "Bharat" sind die indischen Namen für Indien). Das Ganze mutete eher lustig als bedrohlich an. Und nach einer halben Stunde war das Spektakel vorbei. Wir fuhren mit dem Taxi wieder zurück nach Amritsar und aßen unser Dinner in einem verdreckten Straßenrestaurant.

GT

Die größte Attraktion in Amritsar ist der Goldene Tempel, den eine Woche vor unserem Besuch auch der kanadische Premierminister besichtigt hat. Der Goldene Tempel ist die allerheiligste Städte der Sikhs. Von ihnen wird erwartet, dass sie wenigstens einmal im Leben den Goldenen Tempel besuchen. Die Sikh-Religion wurde im 16. Jahrhundert von Guru Nanak gegründet und vereinigt Elemente aus Hinduismus und Islam. Typisches Kennzeichen der Sikhs ist das Tragen des Turbans und eines Vollbarts. Interessanterweise habe ich in Chandigarh mehr Sikhs als in Amritsar gesehen. Der Goldene Tempel selbst war enorm beeindruckend und ist wohl eines des schönsten Bauwerke Indiens. Die Atmosphäre ist dicht, alles blitzblank (im krassen Gegensatz zu Restindien), von überall tönt spirituelle Musik. Allerdings waren für viele Tempelbesucher wir als westliche Reisegruppe eine größere Fotoattraktion als das Bauwerk. Für den Tempelbesuch sind wir um 5 Uhr morgens aufgestanden, um ihn bei Sonnenaufgang erleben zu können. Der Tempel war jedoch nicht immer so ein friedlicher Ort. In den späten Achtzigern war auch der Punjab Krisengebiet wie heutzutage Kashmir, denn die Sikhs forderten ihren eigenen Staat. Selbst Panzer rollten in den Goldenen Tempel ein und forderten ihre Opfer. Man kann heute noch die Spuren der Gewalt sehen.

GT

Zurück zur Startseite