Fabian in Bikaner

Meine Erlebnisse in Indien

Bikaner

05.-07.03.2004 Bikaner

Diese Tour hatte ich mir schon länger vorgenommen. Und mich nach meinen Laptopdiebstahl auch auf eine Ablenkung gefreut. Eigentlich ist der Wüstenstaat Rajasthan eine längere Reise wert. Doch jene Zeit habe ich am Wochenende nicht, zumal die Anreise schon sehr lange dauert. Und für meine Urlaubszeit hatte ich mir andere Ziele vorgenommen. So haben wir etwas ausprobiert, wo noch keine anderen Praktikanten vor uns zu einem Wochenendtrip hin sind. Dafür habe ich mir einen Tag freigenommen, zudem wussten wir, dass das Farbenfest Holi an diesem Wochenende stattfinden würde. Ich hatte herausgefunden, dass es überraschenderweise eine günstige Zugverbindung von Chandigarh nach Bikaner gab - idealerweise mit dem Nachtzug, jedoch von 15stündiger Dauer. Nächtliches Zugfahren ist ganz angenehm. Man schläft ja einen großen Teil der Zeit und langweilt sich daher nicht so.

CowSchon im Zug werden wir auf die andere Atmosphäre Bikaners vorbereitet. Wir fahren durch die Wüste. Alles ist trockener und sieht ganz anders aus als im fruchtbaren Punjab. Ich kannte es schon ein wenig von Jaipur, hier war jedoch alles etwas "wüstiger".

Freitag morgens kommen wir in Bikaner an. Die Stadt liegt im Norden Rajasthans, grenzt an die Trockenwüste Thar und ist nicht so weit von der pakistanischen Grenze entfernt. Neben dem touristenüberlaufenen Jaisalmer ist Bikaner einer der Ausgangspunkte für Exkursionen in die Wüste. Die Altstadt wird durch eine Mauer begrenzt und hat viele Mogulelemente. An der Mauer habe ich rechtsstehende Abbildung einer Kuh entdeckt, die ihre magischen und heiligen Elemente darstellen soll: der Buckel ist die Sonne und die Euterzitzen sind Weltreligionen. Hat mich an Bilder aus Schulbüchern für Kinder erinnert, die besagen, wo die Haxe und wo das Filet herkommt. Man sollte sowas jedoch wohl keinem Inder sagen.

Rajasthan ist als Wüstenstaat sehr farbenfroh. Die Saris der Frauen sind farbiger und leuchtender als anderswo. Auch viele Häuser haben einen bunten Anstrich. Bikaner hat ein majestätisches Fort, dass wir wegen der anstehenden Feiertage jedoch nicht besuchen konnten. So sind wir in der Stadt herumgebummelt, haben Jain-Tempel besichtigt und die anderen haben für das anstehende Holifest billige Klamotten gekauft, damit ihre normalen Sachen nicht ruiniert werden. Wir haben gehört, dass jeder überall mit Farben beworfen und bespritzt wird und selbst die Unterwäsche von Farbe durchtränkt ist. In unserem Hotel haben wir zu siebt die Präsidentensuite mit ausgestopften Tierköpfen zu einem Sonderpreis bewohnt und das Dachterrassen-Restaurant genossen. Von dort ein herrlicher Ausblick auf die Stadt, siehe Bild ganz oben.

Rat Temple

Wir haben es tatsächlich geschafft, vom Hotel aus eine halbtägige Kamelsafari in die Tharwüste zu organisieren. Auf dem Weg dorthin war geplant, Station am Rattentempel zu machen, der eh auf unserem Programm stand. Der Rattentempel in Deshnok ist weltberühmt und eigentlich erst hundert Jahre alt. Das Besondere ist, wie der Name schon verrät, dass dort Ratten gehuldigt wird. Ich war ja einiges gewohnt - Affen- und Elefantentempel gibt es zuhauf. Aber einen Rattentempel hatte ich zuvor nicht gesehen. Anders als in anderen Tempeln durften wir hier im Innern sogar Bilder machen. Allerdings gegen Gebühr. Vorgewarnt, dass überall Ratten herumlaufen, war für mich die Sache nicht weiter wild. Andere haben sich hingegen schon etwas geekelt. Die Ratten huschen überall auf dem Tempelboden herum und versammeln sich an Schattenplätzen und Futtertrögen. Das Bananenmahl im Bild wurde extra für die Ratten zubereitet. Glücklicherweise haben mich die Ratten gesegnet und mir Glück gebracht. Denn eine Ratte ist direkt über meine Füße gehuscht und das soll hier glückverheißend sein. Besonders heilig sollen weiße Ratten sein, von denen es zwei geben soll. Haben jedoch keine entdecken können.

Camel

Nach dem Besuch bei den Ratten war es nun endlich soweit - wir sind zu den Kamelen mit dem Jeep gefahren worden. Hinter ein paar Sandhügeln kamen sie angetrabt. Mit ihnen eine Handvoll Dorfbewohner und Kamelbegleiter. Und eine ganze Horde Kinder, für die wir natürlich wieder die größte Attraktion waren. Obligatorisch wurden wir bedrängt, nach Fotos gefragt und mit "Rupee, rupee!" und "Pen! Pen" belästigt. Kinder fragen entweder nach Geld, Schokolade oder nach Kugelschreibern. Gibt man ihnen was davon, darf man keine Dankbarkeit erwarten. Im Gegenteil - sie wollen dann immer mehr und man lockt noch eine größere Schar an Bettelnden an. Meistens gebe ich ein paar Kekse oder Obst ab, dass ich übrig hab. Oder je nach Aufdringlichkeit oft auch gar nichts.

Jedenfalls hat jeder langsam sein Kamel bestiegen und mehr oder weniger eigenhändig gesteuert. Die Kamele sind dem Leittier hinterhergetrabt. Mein Kamel war besonders langsam, faul und widerspenstig. Manche meinten jedoch, jeder bekommt das Kamel, dass zu ihm passt ;) ... Der Wüstenritt war recht surreal. Zum Glück sind wir erst nachmittags los. Es war auch so heiß genug. Die Wüste war gar nicht so karg. Man konnte einige Bäume und Sträucher sehen. Öfter auch mal Hirsche und Rehe. Manchmal tauchten im Nichts Hunde oder sogar Menschen auf. Einige Teile der Wüste waren grün. An anderen Stellen waren nur Sanddünen zu sehen. Der Ritt hat Spaß gemacht. Nur alle bekamen das Problem, dass das Reiten auf einem Kamel nicht besonders komfortabel ist. Meine Beine waren total verkrampft und mein Hintern war wund und abgescheuert. Habe jedoch die fünf Stunden durchgehalten. Andere haben sich lieber vom Wagen mitnehmen lassen und früher aufgegeben. Zum Abschluss der Kamelsafari gab es Abendessen in den Sanddünen. Danach hat uns der Jeep zurück ins Hotel gebracht.

Desert

Eigentlich hatten wir das Farbenfestival Holi für den gestrigen Tag erwartet. Aber man nimmt das hier alles nicht so genau und so war halt am Sonntag Tag der Farben. Holi gehört zu neben Diwali zu den beiden wichtigsten Festen und wird indienweit gefeiert. Die Menschen haben sich schon Tage zuvor mit Farben eingedeckt.

Die Geschichte Holis hat folgenden Hintergrund: Einst gab es einen König, der jedoch nicht an Gott Vishnu glaubte, sondern sich selbst als Gott feiern ließ. Jener König hatte einen Sohn, er jedoch sehr fromm war und Vishnu huldigte. Das erzürnte den König sehr und er versuchte vergeblich, seinen Sohn zu töten. Jener wurde durch Gottes Kraft jedoch immer beschützt - egal ob ihm sein Vater Kobras ins Bett legte, ihm vergiftetes Kochgemüse gab oder Meuchelmörder losschickte. Die Schwester des Königs, Holika, hatte die gottgegebene Gabe, gegen Feuer resistent zu sein. So hatte der König die Idee, das Holika seinen Sohn auf den Schoß nehmen und im Feuer herumsitzen sollte. Mit der Idee, das Holika lebt, aber das Kind stirbt. Der Plan ging nicht auf. Vishnu vereitelte das. Holika starb, aber das Kind lebte weiter. Und was hat das ganze nun mit den Farben zu tun? Es geht wohl darauf zurück, dass Gott Krishna als junger Bub zu Holi gerne mit Farben spielte und das machen die Leute nun nach.

Wir haben uns dem nicht entzogen. Unser Hotel hat dankenswerterweise für die ganzen ausländischen Touristen eine Holiparty organisiert und Farben bereitgestellt. Und nach kurzer Zeit und Farbenschlacht sahen wir aus wie in den Schminktopf gefallen. Das Bild unten stellt natürlich nur die Anfangsphase des Fests dar - später habe ich die Kamera aus Sicherheitsgründen weggepackt. Zu den Pulverfarben kam irgendwann auch Wasser hinzu und wir waren voll durchtränkt. Später sind wir dann zum Abschluss in den Swimmingpool eines anderen Hotels gehüpft und haben uns ein wenig gereinigt. Dann mussten wir uns beeilen, denn unser Zug fuhr desnachmittags los und am Montag morgen waren wir dann in Chandigarh und ich konnte dann direkt zur Arbeit gehen ...

Holi

Zurück zur Startseite