Fabian in Chennai

Meine Erlebnisse in Indien

Egmore

20.-22.04.2004 Chennai (Madras)

Nach dem aufregenden und abwechslungsreichen Thailand-Intermezzo ging es erstmal wieder zurück nach Delhi, wo wir nach Mitternacht ankamen. Und nachts ist Delhi noch gruseliger als tagsüber. Nur auf andere Art. Wie ausgestorben, nur wirklich seltsame Gestalten treiben sich herum und ein paar Sicherheitskräfte am Bahnhof gaben uns den wohlgemeinten Rat, so schnell wie möglich ein Hotel aufzusuchen. Haben wir natürlich auch vorgehabt, nur mit dem schweren Gepäck ging das nicht so schnell. Haben es aber letztendlich zu unserem Stammhotel (wer's wissen will: Anoop Hotel auf dem Main Bazar in Pahar Ganj) in Delhi geschafft. Die Nacht geschlafen und dann ging es auf zu unserer dreitägigen Zugfahrt in den äußersten Süden Indiens. Die Fahrt ging erstaunlich schnell vorbei und so waren wir endlich in Südindiens heimlicher Hauptstadt: Chennai. Bekannter ist die Tamilenhauptstadt jedoch noch unter ihrem Kolonialnamen Madras. Wie so viele andere Städte in Indien wurde die Stadt durch hindunationalistische Lokalregierungen in ihren alten Tamilennamen Chennai zurückbenannt. Viele Menschen sagen aber immer noch Madras, insbesondere die älteren. Jedenfalls haben wir nach unserer Ankunft unser Revier im Stadtteil Egmore aufgeschlagen, wo auch ein alter Bahnhof in typischer Tamilenbauart vorzufinden ist (Bild oben).

Thali

Gleich aufgefallen sind mir ein Unterschiede zu Nordindien. Allgemein geht es in Südindien wohl etwas gemächlicher und gelassener zu, was wohl auch mit der eher friedlichen Geschichte zusammenhängt. Im Norden ging es in der Vergangenheit öfter blutig zu. Die Händler sind nicht ganz so aufdringlich, aber ausreichend aufdringlich. Englisch ist wesentlich weiter verbreitet als im Norden, da die Menschen hier nicht gerne Hindi sprechen und die Sprachweltzerstückelung im Süden größer ist. Die Tamilen sprechen natürlich Tamil, in Karnataka spricht man Kannada, in seiner Hauptstadt Bangalore jedoch fast nur Englisch, in Andhra Pradesh Telugu und in Kerala ist Malayalam die Muttersprache. Das südindische Essen (auf dem Bild ein Thali - eine Zusammenstellung mehrerer Speisen) ist noch schärfer und fleischarmer als das nordindische. Jedoch gibt es ab und zu mal was aus dem Meer. Chapati (Fladenbrote) findet man seltener, Reis ist hier die gängige Beilage. Jener wird jedoch nur mit den Fingern verspeist. Da ist mir die nordindische Löffelvariante allerdings lieber.

Chennai als Stadt war zwar nicht unangenehm. Der lange Stadtstrand (Bild unten), die entspannte Atmosphäre und die guten Transportmöglichkeiten mit der S-Bahn waren durchaus positiv. Dennoch war es mir zugegebenermaßen etwas langweilig dafür, dass es eigentlich eine 6-Millionen-Stadt ist. Madras kann meines Erachtens nicht mit dem kosmopolitisch-mediterranen Bombay, dem avantgardistisch-innovativen Bangalore und dem zwar verdreckten, jedoch historisch unglaublich reichhaltigen Delhi mithalten. Am zweiten Tag in Chennai ist uns ein unbeabsichtigter Ausflug in die Umgebung dazwischen gekommen und nach drei Tagen war auch dann das Wesentliche gesehen und es ging weiter ins Silicon Valley Indiens - nach Bangalore.

Beach

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