Fabian in Kochi

Meine Erlebnisse in Indien

Kochi

29.04.-04.05.2004 Kochi (Cochin)

Nach dem Mysore-Ausflug und unseren Partyabenden in Bangalore sind wir nach langer Zugfahrt dann endlich in "Gottes eigenem Land" angekommen. So jedenfalls wird Kerala schon seit langem beworben, lange bevor der US-Präsident den Begriff und für sein Land vereinnahmen wollte. Kerala ist einer der wohlhabendsten Bundesstaaten Indiens, die Alphabetisierungsrate ist hier noch höher als selbst im reichen Chandigarh. Die Menschen sind schon nicht mehr braun, sondern regelrecht tiefschwarz. Bettler sieht man hier kaum. Trotz der hohen Bevölkerungsdichte. Was auffällt, sind die weißen Röcke, die die Männer tragen. Entweder lang bis zu den Füßen, oder hochgewickelt mit freien Beinen - diese Variante sah für mich jedoch eher nach Windeltragen aus. Wir kommen in Ernakulam an, das mit Kochi eine Doppelstadt bildet, und nehmen eine Riksha bis zum Bootsterminal, wo wir eine Fähr-Überfahrt in das touristische Fort Kochi vornehmen.

Church

Fort Kochi ist der Anlaufpunkt für die Touristen und man sieht schnell, warum das so ist. Alles sieht noch ein wenig so aus, wie man es sich für ein verschlafenes Kolonialstädtchen vorstellt, Kolonialhäuser ganz unindisch, Palmen, enge Straßen, ein paar Kirchen. Und alles von Wasser umgeben. Es ist Nebensaison, so finden wir schnell ein sehr günstiges Quartier. Und zu essen gibts hier auch wieder leckere Meeresfrüchte, man kann sich den Fang des Tages am Hafen präsentieren und gleich zubereiten lassen. Im April und Mai ist es in der Regel heiß und unerträglich - daher die wenigen Touristen. Doch wir haben "Glück" und es regnet außer der Reihe jeden Tag, und das vor dem eigentlichen Monsun. Wie wir später erfahren, sind der Regen und die nächtlich über dem Meer zu sehenden Blitze die Vorboten eines schweren Zyklons - eines tropischen Wirbelsturms. Wir erkunden Kochi. Viele Kirchen gibt es hier, ca. 30-40% der Bewohner Keralas sind Christen. Der Rest Moslems und Hindus. Selbst eine Synagoge gibt es in Kochi, allerdings ist die jüdische Gemeinde äußerst klein. Und trotz dass die Massen in die Kirchen, Moscheen und Tempel rennen und ekstatisch ihrer jeweiligen Religion frönen (im Gegensatz zu Deutschland sind die Kirchen gekracht voll), lebt man in Kerala seit Urzeiten äußerst friedlich miteinander. Muss wohl auch an den Palmen, am Meer, an den Kokosnüssen und dem angenehmen Klima liegen, das so beruhigt. Kerala ist auch das Land der Gewürze und so beobachten wir, wie man Ingwer trocknet und überall kann man Gewürzpäckchen kaufen.

Kathakali

Kulturell gibt es auch einiges in Kerala zu erleben. Ganz obligatorisch haben wir eines der Kathakali-Theater (Bild oben) besucht, ohne Sprache und vor allem mit Augenbewegungen, Mimik und Gestik werden Stücke aufgeführt, die meist auf religiösen Hindutexten basieren. Nur Männer dürfen spielen, auch die weiblichen Rollen. Eigentlich dauert so ein Kathakali-Klassiker gut und gerne 6 Stunden, das will man aber dem ungeduldigen modernen Zuschauer nicht zumuten und verkürzt das Ganze daher erheblich, um die Aufmerksamkeit des Touristen nicht zu sehr zu strapazieren. Eine weitere Besonderheit in Kochi sind die chinesischen Fischernetze (Bild unten). Neben Fischen und Meeresfrüchten holt man wohl auch allerhand Unrat aus dem Meer, der Strand war auch recht verdreckt und sah schon mehr nach Restindien als Gottes eigenem Land aus. Bei den Fährüberfahrten kann man übrigens auch Glück haben und Delphine beobachten, die sich in den Hafen verirrt haben oder dort nach Nahrung suchen. Ich fand die Tiere jedenfalls ganz zauberhaft zu beobachten und hab mich tierisch gefreut. Wir haben in Kochi eine der obligatorischen Backwater-Touren unternommen und sind dann später ins Hochland nach Periyar weitergefahren.

Fishing net

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