Fabian in Chandigarh

Meine Erlebnisse in Indien

SPIC IT Centre

01.10.2003-31.03.2004 Chandigarh, PEC Campus

Ich bin ja eigentlich nicht nur zum Verreisen und Spaßhaben nach Indien gekommen - nein, das primäre Ziel war eigentlich mein Berufspraktikum fürs Studium. Zwar hat sich der Focus meines Indienaufenthaltes mehr in Richtung Reisen verschoben, aber nichtsdestotrotz verbringe ich den Großteil meiner Zeit hier auf Arbeit. Ich arbeite hier bei Net Solutions, einem mittelständischen IT-Unternehmen mit 50 Mitarbeitern, das sich auf Grafikdesign und Webdevelopment spezialisiert hat. Hier arbeite ich Bereich Marketing und Business Development, was soviel bedeutet, wie das Akquirieren neuer Kunden in Europa. Und dadurch, dass ich nicht nur Englisch sprechen kann, liegt mein Kernzielgebiet im deutsch- und französischsprachigen Raum. Das heißt, ich entwickle Konzepte und Strategien und knüpfe Kontakte und halte Kontakt zu den fremdsprachigen Kunden. Ein Großteil meiner Arbeit hat schlicht und einfach mit Übersetzung zu tun - die oben angegebene Homepage wurde zu großen Teilen von mir übersetzt. Naja, ich denke, in Deutschland hätte ich sicher eine bessere, anspruchsvollere Arbeit finden können - aber was solls. Meine Bezahlung ist für indische Verhältnisse ausgesprochen gut. Was jedoch nervt, sind die Sprachprobleme. Zwar wird mit Kunden und innerhalb des eMail-Verkehrs auf Englisch kommuniziert, aber um mich herum sprechen alle Hindi oder Punjabi, so dass ich kaum etwas mitbekomme. So sitze ich meistens alleine vor meinem Rechner und schlage die Zeit tot.

Helicopter

Das Bild ganz oben zeigt das Gebäude, in dem ich arbeite. Es ist ein IT-Center auf dem Campus des Punjab Engineering College, sowas wie eine Technische Universität. Im Nachbarsektor befindet sich die "richtige" Punjab University, die recht große Ausmaße annimmt. Ich fahre jeden Tag etwa 20 Minuten mit dem Fahrrad zur Arbeit, was hier eher belächelt wird, denn nur die "niederen" Kasten fahren mit dem Rad. Jeder, der es sich nur irgendwie leisten kann, fährt Mofa, Motorrad oder Auto -- Status durch Fahrzeug. Ich bin der einzige in der Firma, der mit dem Rad zur Arbeit kommt. Das ist in Indien nicht ganz ungefährlich. Insbesondere die Kreisverkehre sind tückisch. Bin auch schon mit anderen Fahrzeugen kollidiert - ist aber immer glimpflich ausgegangen. Eines schönen Tages, an dem ich zur Arbeit fuhr, konnte ich meinen Augen kaum trauen: plötzlich fand sich ein großer Helikopter (Bild oben) auf dem Campus vor dem Verwaltungsgebäude. Wo kommt der auf einmal her? Nun, die indische Luftwaffe hat dem PEC einen ausrangierten Hubschrauber vermacht, der nun als Trophäe den Campus ziert und den ich vom Balkon des Firmenbüros aus täglich beobachten kann.

In meiner einstündigen Mittagspause bin ich natürlich hungrig. Mein Frühstück reicht nicht weit, aus vielfältigen Gründen hat sich mein Appetit in Indien im Vergleich zu Deutschland verdreifacht. Viele Kollegen bringen Essen von zu Hause mit, welches Ehefrau oder Mutter zuvor zubereitet haben. Ich gehe zumeist mit einigen Leuten zu einigen Straßenständen, wo man für wenig Geld ein Mittagessen haben kann (Bild unten). Es ist nicht allzu sauber und die Abwechslung lässt zu wünschen übrig (irgendwann hat man alle Gerichte durch), aber es ist preisgünstig, warm und füllt den Magen ein wenig. Nach der Mittagspause, die bis 14.30 Uhr dauert, arbeite ich noch einige Stunden, bis ich dann endlich meinen Feierabend genieße. Ich bin der Mitarbeiter mit den kürzesten Arbeitszeiten (von 9.30 bis 18.30), die meisten anderen bleiben wegen Termindruck viel länger - manche sogar bis 12 oder 1 Uhr. Auch nehme ich mir jeden Samstag frei, der hier normaler Arbeitstag ist. Nach getaner Arbeit gehe ich meistens noch Lebensmittel einkaufen, oder mache einen Ausflug ins Stadtzentrum, das eine halbe Stunde von der Arbeit wie auch von der Wohnung entfernt ist. Manchmal kochen wir selbst, manchmal gehen wir jedoch auch aus oder bestellen uns was zu essen.

Dhaba

Zurück zur Startseite